Der folgende Text wurde von Dieter Lefeling in de.rec.fotografie geschrieben.

Zitat:
„> leider bin ich noch kein Experte auf dem Gebiet, suche aber selbst nach
> Zwischenringen. Die Gründe:
>
> -Zwischenringe sind nur mechanisch, keine zusätzlichen Glasflächen.

Jaja, "ist ja keine Linse drin, tut also auch nix Boeses", oder wie? Ich krieg schon wieder zuviel (sorry, ist halt eines meiner Lieblingsthemen). Ich brauche langsam wirklich mal einen Textbaustein. 8-)

Aaaalso...:

Kurzfassung: Unter Beruecksichtigung bestimmter Grenzen sind Achromaten in aller Regel Zwischenringen vorzuziehen: besser *und* bequemer. Es gibt aber wenige Ausnahmen von der Regel.

Lange Fassung:

Zwischenringe stellen einen mindestens genauso schwerwiegenden Eingriff in das optische System dar wie ein billige Nahlinse: Auf einmal ist da ein mechanischer Auszug, wo keiner vorgesehen ist. Besonders tueckisch verhalten sich hier Zooms und IF-Objektive. Generell gibt es mit Zwischenringen oft Probleme mit der Eckenschaerfe. In der Bildmitte wirkt das Bild noch okay, zu den Raendern hin wird es bei mittleren Blendenwerten schwaecher bis unbrauchbar (haengt von Objektivtyp und Masstab ab).

Eine bessere Alternative sind Nahlinsen, noch besser Achromaten (zweilinsige Systeme, meine Empfehlung). Selbst wenn im Sucher das Bild bei offener Blende objektivabhaengig etwas weich erscheinen sollte, ist es idR schon bei mittleren Blenden scharf bis in die Ecken. Ich habe sogar Untersuchungen im Ohr, die empfehlen, aus Gruenden der besseren Korrektion grundsaetzlich so wenig mechanischen Objektivauszug wie moeglich zu verwenden und soviel wie moeglich per Achromat zu machen. Soll heissen:
ein normales 50er, auf kuerzeste Entfernung fokussiert, kommt u.U. nicht ganz an die Leistung heran, die das gleiche Objektiv in Unendlichstellung, aber mit Achromat zu liefern imstande ist. Selbst getestet habe ich das aber noch nicht.

Achromaten arbeiten am besten bei nicht zu starken Vergroesserungen. Meine Erfahrung: Fuer optimale Ergebnisse nicht ueber 1:2 gehen. Ihre ganzen Vorzuege koennen sie am besten an Festbrennweiten entfalten. Aber auch an Zooms arbeiten sie idR besser als Zwischenringe.

Noch eine Quelle: Color Foto hat 1978 50mm Makroobjektive getestet. Abschliessend wurde interessehalber mitgetestet, wie gut im Vergleich dazu "Hilfsmittel" wie Zwischenringe, Nahlinsen und Achromaten (am 50er) abschneiden. Die Reihenfolge des Ergebnisses ist die gerade genannte - von schlechter nach besser. Unter guenstigen Bedingungen wurde mit Achromaten fast Makroobjektiv-Niveau erreicht.

Handhabungsmaessig haben Achromaten sowieso die Nase vorn: Erstmal gibt es keinen (zusaetzlichen) Lichtverlust. Das heisst: Wo Zwischenringe (schon bei symmetrischen Objektiven) bei 1:2 bis 1:3 eine runde Blende Lichtverlust bedeuten, kann man mit Nahlinsen und Achromaten weiterhin mit hellerem Sucherbild scharfstellen und eine Stufe weiter abblenden, was der Bildschaerfe zugute kommt. IF- und Teleobjektive sind oft stark assymetrisch aufgebaut (Pupillenmasstab << 1), was zu einem deutlich hoeheren Lichtverlust fuehrt. Bei Zooms sind Zwischenringe sogar fast unbrauchbar, weil sich beim Zoomen die Schaerfe verstellt. Mit Linsen passiert das nicht. Auch braucht man sich keine Sorgen um Messfehler durch veraenderte Strahlengaenge oder die Aufrechterhaltung von Kupplungsfunktionen fuer Blende und AF zu machen. Man braucht ebenfalls keine Objektivwechselprozedur und kann Linsen auch leichter verstauen. Einzige Ausnahme: Objektive mit sehr grossen Frontlinsendurchmessern.

Mit alldem will ich Zwischenringe nicht verteufeln. Ich benutze hier und da selber welche am 135er, das sich damit recht unproblematisch verhaelt und keine Zicken macht. Aber das Maerchen vom guten Zwischenring, der ja keine Optik enthaelt und damit auch keinen Schaden anrichten kann, wohingegen die boesen, boesen Linsen das teure Objektiv durcheinanderbringen - dieses Maerchen muss endlich mal ein Ende haben. -8)

Zu den restlichen Argumenten:

> -Du brauchst nur wenige Zwischenringe, aber je nach Filterdurchmesser mehrere
> Linsen.

Es gibt Adapter. Zudem sind drei Linsen immer noch viel kompakter als drei Zwischenringe.

> -Linsen sind eben zusätzliche Glas-Luft-Flächen

Siehe oben.

> Es gibt wohl Objektive, die mit ZR gut funktionieren, andere nicht. Da solltest
> Du mal speziell nach fragen.

Kann man schon a priori checken. Etwa IF-Typen meiden.

> Im allgemeinen sind ZR besser für normal bis lange Brennweiten, und Linsen für WW.

Quatsch. Es gibt da jede Menge verschiedener Staerken. Fuer WW braucht es c.p. staerkere, fuer Tele schwaechere Linsen. Wer eine +4 mit einem 200er kombiniert, hat es genauso nicht besser verdient wie derjenige, der einen 50mm-Ring ans 28er setzt.

> Wenn Du einen ZR der auf einem leichten Tele gut funktioniert an ein WW
> hängst, dann bekommst Du eine große Vergrößerung und Du sitzt mit der Frontlinse
> direkt auf der Briefmarke, dann kommt aber kein Licht mehr ran.

Das kann man den Ringen nicht anlasten, das ist eher eine Sache falscher Handhabung. Der Abbildungsmasstab ist proportional zur Ringlaenge und eben umgekehrt proportional zur Brennweite. Ein weiterer Vorteil von Linsen: Man kann aus der Brennweite a priori ganz gut die freien Arbeitsabstaende abschaetzen.

> Von Zoom - Festbrennweite als Kriterium habe ich noch nie was gehört.

Dann wird's ja Zeit. Siehe oben.

> Besonders Linsen verändern ja die optische Rechnung des Objektivs.

Jaja, und Zwischenringe "tun das nicht", und der Mond besteht zu 90% aus gruenem Kaese. #-)

Dieter,

wider die Maerchen und Sagen...”