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Von Libellen und so ...
© Jens Kählert
Von Libellen und so ...
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Erythromma lindenii (Pokal-Azurjungfer)

Als ich vor über 30 Jahren anfing, mich näher mit Libellen zu beschäftigen, lernte ich diese Art am Kaiserstuhl unter dem Namen Coenagrion lindeni kennen. Sie war eine der vielen kleinen blauen "Nadeln" und fügte sich für mich schlüssig in diese Gattung ein. Ein paar Jahre später begann eine wahre Odyssee für dieses Insekt: Man ordnete es der Gattung Cercion zu. Nach einer grammatikalischen Korrektur des Namens wurde die Libelle zu Cercion lindenii (= richtiger lateinischer Genitiv), heute hört sie auf den Namen Erythromma lindenii und wurde damit eine nahe Verwandte unserer Granataugen (Erythromma najas und E. viridulum), also der hübschen Kleinlibellen mit den verliebt roten Augen. Der deutsche Name blieb unverändert Pokal-Azurjungfer, es wurde lediglich die Kurzform "Pokaljungfer" als zusätzliche Bezeichnung eingeführt. Das Tier hat sich in der ganzen Zeit nicht verändert, es hat nur im Zuge der Klimaerwärmung sein Areal bei uns ausgedehnt. Diese Aufnahme entstand im Tal des Doubs in der Nähe von Besancon, als ich auf dem Weg zum CdV in Südfrankreich war. Während meine Frau am frühen Morgen auf einem Parkplatz neben dem Fluss eine Tasse Kaffee zum Wachwerden brauchte, widmete ich mich der Libelle mit dem Lupenobjektiv.

Und jetzt noch etwas in eigener Sache: In der letzten Zeit ging es hier wiederholt um die Kennzeichnung von Bildern ("beeinflusste Natur" oder "Naturdokument") sowie die Entstehung von Makrofotos und deren fotoethische Wertung. Ich habe es schon an anderer Stelle "bekannt", auch ich wende "Tricks" an. Viele meiner Bilder fallen in die Kategorie "beeinflusste Natur". Die Beeinflussung erstreckt sich vom Entfernen von Pflanzen in der Schusslinie zum Insekt über den Einsatz der Schere (oder dem Wegdrücken von Pflanzen) hinter dem Motiv bis hin zum Umsetzen einer Pflanze mit dem Insekt drauf. Außerdem kenne ich ein paar Tricks, mit denen ich Libellen dazu bringe ein bestimmtes natürliches (!) Verhalten zu zeigen. Solche Aufnahmen sind dann "Fast-Naturdokumente". Habt bitte Verständnis dafür, dass ich mir nicht zu tief in meine Trickkiste gucken lassen mag.

Bei diesem Foto habe ich die taunasse Libelle mit ihrer Sitzwarte aus der Vegetation entnommen und die Pflanze so fixiert, dass sie vor meinem Lupenobjektiv nicht oder nur wenig zittern konnte. Auf eines lege ich jedoch großen Wert: Ich fotografiere Insekten in ihren natürlichen Sitzposen. Ich berühre die Tiere nicht; mir ist es wichtig, dass sie auf dem Bild so sitzen, wie ich sie vorgefunden habe. Manchen Bildern sehe ich an, was vom Fotografen vermutlich unternommen wurde, denn inzwischen weiß ich eigentlich, was geht und was nicht geht – besonders bei Libellenfotos. Ich mag bisweilen von neuen natürlichen Verhaltensweisen überrascht werden, aber nach so vielen Jahren Feld- und Fotoerfahrung habe ich schon so manches gesehen – und manches eben nicht (bzw. nur auf Bildern). Auch die Besprechung von Bildern im Kreise fachkundiger Libellenfreaks führte meist zu einhelligen Meinungen über die Entstehung von Fotos. (Einmal gipfelte das Gespräch in der Bemerkung: "Da kannste noch die Fingerabdrücke auf den Flügeln sehen." Nun, polizeilich verwertbare Fingerabdrücke sieht man natürlich nicht, aber die Reflexionseigenschaften der Flügel und die Flügelhaltung ändern sich oft.) Die zwei Bestimmungsbücher von S.W. Dunkle über die Libellen Floridas enthalten nur oder fast nur Bilder von Tieren, die für das Foto gefangen und auf Sitzwarten platziert wurden. Einige Autoren geben es unumwunden zu, es geht ihnen um die Abbildung des Tieres in einem Bestimmungsbuch, nicht um ästhetische Gesichtspunkte. Zum Abschluss dieses langen Textes – ich danke allen, die sich bis hierhin vorgekämpft haben – mein extremstes Beispiel: In einem älteren Fernsehfilm über Libellen (ich kenne den Filmer) wurde einer Libelle ein Flügel gebrochen, damit eine Gottesanbeterin sie vor der Kamera verspeisen konnte. Guten Appetit!

Gruß
Jens

P.S. Ihr dürft auch gerne etwas nur zum Bild schreiben, auch wenn die Machart nicht ganz neu ist. :)

Autor: ©
Eingestellt:
Natur: Beeinflußte Natur ?
Fotografischer Anspruch: Fortgeschritten ?
Technische Angaben: zeigen
Dateigröße: 301.4 kB, 600 x 900 Pixel.
Technik:
Canon 40D + Lupenobjektiv MP-E 65 mm/2.8, 1 Sek., f10, ISO 100, Stativ, SVA
Ansichten: 8 durch Benutzer, 445 durch Gäste, 1498 im alten Zähler
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