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Wasseramsel, die Skandinavische!
© Sven Heise
Wasseramsel, die Skandinavische!
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Guten Tag alle zusammen,

heute schicke ich euch mal ein Bild einer unberingten Wasseramsel, die ich im vergangenen Winter in der Klosterhede in Dänemark fotografieren konnte.

Zum Thema Beringung, was Jens mit seinem überaus tollen Foto "Flugnummer TL 548" hier in diesem Forum gezeigt hat, möchte ich nun auch mal etwas zu der Beringung mitteilen.
Jedoch eines Vorweg. Ich kann die Kritiker zur Vogelberingung durchaus verstehen. Vor allem die Naturfotografen, die diese Blechteile (bzw. Aluteile) an den Beinen der Vögel stören. Das schon einmal hierzu. Thorsten hat sich ja dazu schon geäußert, vielen Dank Thorsten für deine Stellungnahme. Ich möchte dennoch einige Hinweise zu dieser Sache beitragen.
Mich selber stören die Ringe an den Beinen der Vögel nicht, weil ich weiß welche durchaus interessanten und wichtigen Daten daraus gewonnen werden. Mit meinem Beitrag werde ich etwaige Einwände der Beringungskritiker nicht umstimmen können. Das ist auch nicht nötig, weil ich finde, dass jegliche Eingriffe in der Natur und vor allem des einzelnen Lebewesens durchaus hinterfragt werden sollen / müssen!

Die heutige wissenschaftliche Vogelberingung geht mittlerweile vielmehr über die Erforschung der Zugwege hinaus. Den Diese kennen wir nun schon recht genau.
Ich bin selbst ehrenamtlicher Vogelberinger und Hobbynaturfotograf und mit Herz und Seele bei der Sache.

Seit einigen Jahren Arbeite ich aktiv in einer Truppe, die sich um die nordische Wasseramsel kümmert. Doch dazu später etwas mehr.

Ich möchte hier mal kurz das Beispiel eines durchaus seltenen und in Deutschland mittlerweile asugestorbenen Vogels aufzeigen. Es geht um den Seggenrohsänger!
Da dieser Vogel nicht in meinem "Interessenbereich" liegt kann ich entsprechend nur teilweise die Ergebnisse aus der Vogelberingung wieder geben.

Der Seggenrohrsänger, soweit war bisher bekannt, zog immer wieder nach Afrike in sein Winterrevier. Aber wo genau waren die? Wie sieht es dort aus und welche Lebensraumanspüche stellt dieser Vogel an die dortigen Reviere bzw. Biotope. Und genau da kam die Vogelberingung ins Spiel, bzw. die DNA des Vogel. Man hat den Vogel gefangen auf dem Heimzug. Eine einzelne Feder gab Aufschluss darüber, wo sich das Tier im Winter aufgehalten hat. Die Feder wurde anhand der DNA und der darin eingelagerten Isotope untersucht um genau festzustellen, wo sich der Vogel aufgehalten haben muss. Weitere Foschungen vor Ort haben dann die genauen Aufenthaltsorte preis gegeben. Nun kann direkt vor Ort der Schutz der Winterlebensräume voran getrieben werden. Dies wäre ohne die Beringung bzw. des Vogelfangs nicht möglich gewesen. Also kann man in diesem Fall gut und gerne Sagen, Vogelberingung ist Vogelschutz. Klar ist, das der Vogelschutz, bzw. Biotopschutz schon im Brutgebiet statt finden muss. Dies gilt aber auch für die Winterquartiere.

Wer Lust und Laune hat, sollte sich auch mal die Informationen zum IMS der Vogelwarten Deutschlands zukommen lassen. IMS steht für Intergriertes Monitoring von Singvogelpopulationen anfordern. Hierin wird sehr deutlich, dass die Vogelberingung auch über längere Zeiträume durchaus ihren Sinn haben! Nach dem Motto, was Thorsten auch schon erwähnt hat.. "nur was ich kenne, kann ich schützen"!

Was eher dem Forscherherz zusagt ist die Aufgabe, die wir uns in unserer Projektgruppe der Skandinavischen Wasseramsel gewidmet haben. Wir untersuchen über einem sehr breiten Spektrum unzählige Fragen zu dieser interessanten Vogelart. Eine Grundfrage war zum Beispiel, stimmen die Angaben in der Literatur zum Auftreten, Geschlechterverhältniss und Alter der hier in Norddeutschland auftretenden Wasseramseln wirklich! Und es kommen sehr interessant Fakten zum Vorschein, denn die Literatur stimmt in vielen Fällen nicht. Oder vielleicht nicht mehr???? Dies wird derzeit geklärt. Wieso sind die Brutbestände in Skandinavien seit Jahren stabil, aber die im Winter einfliegenden Wasseramseln werden immer weniger. Ist der Klimawandel daran schuld? Wieso finde ich eine Wasseramsel an einer frisch gebauten Fischtreppe und in den darauf folgenden Jahren nicht mehr? Woran liegt das?
Das sind zwar fragen, die auch ohne Beringung geklärt werden können, aber halt viele Fragen nicht. Denn interessant ist, dass eine Wasseramsel durchaus im Winter umher streift. Hier wird dann unter anderem nachgeforscht, wie die Nahrungsgrundlagen in dem Revier sind. So kann man, anhand der Untersuchungsergebnisse. auch dort einen Schutz der Unterwasserlebewesen anstreben, die ja nun mal die Nahrungsgrundlage für viele weitere Tieraretn bilden. Siehe auch die EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Die Vogelberingung ist also viel mehr als nur die Zugwege der Vogelarten zu erforschen. Sind ist Grundlagenforschung die viel mehr Ergebnisse liefern kann.

Außerdem kann ich Thorsten seine Aussage bekräftigen, dass Beringungserlaubnisse nicht einfach vergeben werden. Viele Projekte mit Beringungsanträgen werden abgelehnt, weil die Erforderniss nicht gegeben ist. Und das finde ich als Beringer sehr gut so.

Meines Erachtens muss jeder Vogelberinger für sich selbst sehr sehr kritisch abwägen, ob eine Vogelberingung erforderlich ist oder nicht. Wer Vögel beringt, muss ein gewisses Grundwissen in der Ornithologie mitbringen und schon im Vorwege entscheiden können, ob die Berigung wirklich Zweckmäßig ist. Nur dann kann die Vogelberingung in der Bevölkerung akzeptanz finden. Ich glaubve auch, dass die Beringung von Vögeln "auf Teufel komm raus" so heutzutage nicht mehr praktiziert wird. Dafür sorgen schon die sehr verantwortungsvoll arbeitenden Vogelwarten.

Ich könnte noch viele weitere Beispiele bringen, wo die Vogelberingung tolle Ergbnisse geleistet hat und werde diese auf Anfrage auch gerne mitteilen.

Liebe Grüße
Sven aus Hamburg

Technik:
Canon EOS 40D + Ef 600L
Fotografischer Anspruch: Anfänger ?
Natur: Naturdokument ?
Größe 224.0 kB 1000 x 709 Pixel.
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Vögel: