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Ich bin neu hier...
© Christoph Keller
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Und wollte mich mal mit ein paar Bildern vorstellen:

Bild 1: Hier seht ihr mich bei der Arbeit. Ich war bis vor kurzem im Bereich der Styroporfloss-Schifferei tätig (Selbstauslöser bei aktivierter Motivsuche-Funktion...)

Bild 2: Unser Haus lag für diese Tätigkeit ideal direkt an einem grossen Gewässer...

Bild 3: Vielleicht nicht ganz so ideal war dies für den Kinderspielplatz unserer Siedlung und den einen oder anderen Autobesitzer...

Bild 4: Die einzige Zufahrts-Strasse zu unserer Siedlung bot aktive Freizeitgestaltung und Fitness durch brusthohes Wasser waten... Die meisten hatten allerdings ihre Häuser längst verlassen...

Bild 5: Wirklich schlimm war diese Zeit für zahllose Hunde. Manch ein von Herrchen oder Frauchen zurückgelassener Hund brüllte und jaulte da sein Leid, ganz zu schweigen von der Schar der besitzerlosen... herzzerreissend. Je höher das Wasser stieg, desto knapper wurden die Sitzgelegenheiten, bis nur noch die höchsten der vergeblich von den Baggern aufgeworfenen Dämme oder ein zurückgelassener Bagger selbst Zuflucht boten. Zwei Damen aus der Nachbarschaft hatten dies vorausgesehen und säckeweise Hundefutter besorgt, das sie täglich mit dem Boot an die verschiedenen ‘schiffbrüchigen’ Hundekolonien verteilten... Ich nahm mich dann besonders diesem Tier eines Nachbarn an und hatte zum Glück eine Holztür parat, mit der ich seinen Lebensraum erweitern konnte, der sonst nur noch aus dem kleinen Schränkchen rechts in der Ecke bestanden hätte... Es gab dann noch einen Schützling von mir, was zu wirklich grausigen Eifersuchts-Beissereien zwischen den beiden führte...

Bild 6: Ein Blick in unser Wohnzimmer: schlicht und funktional eingerichtet...

Bild 7: Die Küche, rechts die offene Tür des Eisschranks: für ihn hätte das Wasser nicht mehr viel höher steigen dürfen (er war auf drei Autoreifen aufgebockt), und das tat es dann auch nicht. Ich hatte mit den Fotos genau den Höchststand erwischt...

Bild 8: Der Ort für die ganz natürlichen Bedürfnisse...

Bild 9: Vom Fenster im oberen Stockwerk aus konnte ich sogar Naturfotografie betreiben und diesen Gelbbürzel-Bülbül aus grosser Nähe ablichten...

So, nun will ich noch ein bisschen erzählen:

Die Nachrichten aus den nördlichen Provinzen über Bangkok, die aufgrund exorbitanter Regenfälle im Norden und (eventuell) unsachgemäss abgelassener grosser Staubecken unter Wasser standen... an die hatte man sich schon gewöhnt. Etwa im September begann dann die Möglichkeit, dass das Wasser auch nach Bangkok kommen könnte, immer konkreter zu werden, und man begann mit Vorsorge-Massnahmen: Eingänge wurden mit Mäuerchen gesichert (auch wir haben das gemacht), Sandsäcke wurden beschafft. Als die Gefahr dann akuter wurde, begann man mit der Beschaffung von Nahrungs- und Wasservorräten. Meine Frau Nong liess mich sogar einen kleinen Gaskocher besorgen. Mir schien das alles reichlich übertrieben... und sollte mich da arg täuschen...

Und dann stand irgendwann unsere nördliche Nachbarprovinz unter Wasser (Pathum Thani, dann Rangsit), und da schien mir dann doch der Augenblick gekommen, das untere Stockwerk zu räumen und was möglich ins obere Stockwerk zu verfrachten. Das war der Zeitpunkt (15. Oktober), als ich mich auch im Forum auf unbestimmte Zeit abgemeldet habe. Denn es ging auch bei uns (Don Mueang) los: Der in der Nähe vorbeilaufende Kanal trat aus den Ufern und machte die Uferstrasse schnell unpassierbar. Menschen strömten zu der Brücke, wo sich die Strasse nach Don Mueang herein mit der Kanalstrasse kreuzt, und beobachteten das Schauspiel und die vergeblichen Versuche der Bagger, das Wasser zurückzuhalten. Langsam aber sicher floss das Wasser in den folgenden Tagen dann auf den Strassen nach Don Mueang herein und kroch in die Sois (Nebenstrassen). Bagger schufteten Tag und Nacht, errichteten Dämme, und man versuchte abzupumpen, was möglich war, manchmal mit vorrübergehendem Erfolg. Etwa 20-30cm stand das Wasser auf den Strassen, für Lieferwagen noch passierbar, und war bereits in unsere Siedlung gedrungen, als Nong mit Kevin und unseren Motorrädern nach Krabi aufbrach. Ich blieb mit unseren Katzen (ein Paar wunderschöne weisse Persermischlinge mit einem Wurf von 6 Jungen (darunter ein Braunes), und eine ‘normale’ 4-farbig gefleckte, also insgesamt 9... ja, bin eigentlich Katzenfan, nicht Hundefan...) zurück. Zu dieser Zeit hatte ich immernoch keine Vorstellung, wie hoch das Wasser steigen sollte. Zum Glück war Nong voraussehender und kam nach Bangkok zurück, um auch die Katzen nach Krabi zu bringen. Als wir loswollten, stellte sich heraus, dass kein Fahrzeug (Motorrad, Lieferwagen...) mehr in der Lage war, unser Haus anzufahren...

In der folgenden Nacht dann kam das ‘wirkliche’ Wasser, nämlich das, was aus der Tiefe kam... Die grosse Pfütze hinter dem Haus (der Bereich auf Bild 1, ehemals mein ‘Insektenbiotop’), wurde zum See, und die Abflusskanäle quollen über, darunter auch der in unserem Bad, obwohl ich ihn mit Zement abgedichtet und schwere Säcke draufgestellt hatte (andere, die besser abgedichtet hatten, hatten noch weniger Glück, denn da stemmte das Wasser dann an anderen Stellen den Boden auf...). Und als das Wasser unser Mäuerchen vor dem Eingang erreichte, stellte sich schnell heraus, dass dieses nicht wasserdicht war... Wir beschlossen, sofort aufzubrechen und, die Katzen in zwei grossen Käfigen auf Waschzubern aus Plastik auf dem Wasser vor uns herschiebend, die Siedlung zu verlassen, um zum Bahnhof Don Mueang zu gelangen. Es war etwa 4:00 Uhr nachts... Dieser Trip hat uns alles abverlangt, denn die Käfige waren schwer und rutschten ständig von den zu kleinen Zubern runter... Zum Glück erwischten wir dann noch einen freundlichen Wagen (ausserhalb der Siedlung, wo grosse Transportfahrzeuge noch passieren konnten)...

Welche Tortur Nong dann im Hauptbahnhof Bangkok am folgenden Abend noch bevorstand, als ich sie dort sicher geglaubt zurückliess... ein Alptraum! Ein stundenlanges Hin und Her, ob der Zug nun fahren würde oder nicht... schliesslich tat ers nicht... Nong fand zum Glück eine Mitbetroffene und konnte sich dann einen Wagen in die nächste grössere Stadt (Nakhon Pathom) chartern, um dort noch einen Zug nach Süden zu erwischen, mit zwei grossen Katzenkäfigen, in letzter Minute...

Die Flut stieg dann kontinuierlich bis zum oben zu sehenden Level an (das war am 2. November), und ging dann langsam (pro Tag ein paar cm) wieder zurück. Ich blieb die ganze Zeit zu hause, hatte noch 2-3 Schüler, deren Haus verschont geblieben war, kümmerte mich um die Hunde usw. Meist war ich den ganzen Tag draussen. Irgendwo hinzukommen war fast immer eine Tagesaktion: stundenlanges Wasserwaten, Bootfahren usw... Und ihr werdets nicht glauben: ich hab es genossen! Die körperliche Ertüchtigung hat mir immens gutgetan, dazu die völlige Ruhe auf den Strassen (Kanälen!), eine Stimmung der Hilfsbereitschaft: für den Personentransport stellte das Militär Flotten von Geländelastern und Booten gratis zur Verfügung, die Verkehrsordnung war so gut wie ausser Kraft gesetzt, alles war erlaubt, der Highway wurde neuer Lebensraum (auch Zuflucht für unser Auto), auf dem auch Busse gratis verkehrten... eine aussergewöhnliche Zeit, die viel Gutes für mich brachte, auch zu Hause, wo man gezwungen wurde, längst fällige Aufräum-, Ausmist- und Reinigungsaktionen durchzuführen...

Nachdem der Wasserspiegel draussen dann unter das Niveau des Wohnungsbodens gesunken war, stand es in der Wohnung immernoch knöchelhoch, durch die Mäuerchen am Abfluss gehindert (so dicht waren sie dann doch wieder ). Und erstaunlich: das Wasser war klar, und eine Menge Fische schwamm darin herum, die ich vor dem Abschöpfen alle herausfischte und nach draussen setzte, wo sie natürlich auch keine Überlebenschancen hatten! Zu meiner grossen Überraschung stellte sich dabei heraus, dass es blaue Fadenfische waren, wie man sie bei euch in der Zoohandlung kauft... wie die da wohl reingekommen sind??

Irgendwann war das Wasser dann tatsächlich weg, und das grosse Reinemachen ging los: aussen und innen, Wände und Boden schrubben usw, eine Arbeit für Wochen. Und Berge von Abfällen und Gerümpel an den Strassen...

Als ich meinen Comp wieder anwerfen wollte, hatte der kein Bild mehr, trotzdem er im oberen Stockwerk in Sicherheit gebracht war und nicht angerührt wurde: die blosse Luftfeuchtigkeit hatte ihn lahmgelegt, und er musste ein paar Wochen zu meinem (stark überlasteten) Compfachmann. Dies der Grund, warum ich erst jetzt wieder Internetanschluss habe.

So, ich glaub das reicht erstmal, genug der Worte.

Für das, was mich bei meiner Rückkehr ins Internet an Zuwendung und Unterstützung von eurer Seite erreicht hat, fehlen mir die Worte noch...

Ganz herzlich,
Toph

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